Staat und Nation: Eine Absage an die Menschlichkeit

Deutschland 2016. Ungebändigter Rassismus. “ Das Volk“ bekommt Oberwasser. 900 brennende Geflüchtetenunterkünfte allein in den letzten 12 Monaten. PEGIDA, POGIDA, BÄRGIDA. Der abscheuliche Volksmob tobt und Deutschland zeigt offen seine hässliche Fratze. Claußnitz, Schneeberg, Einsiedel. Übergriffe auf Migrant*innen sind an der Tagesordnung, Staat und Polizei schauen zu oder sind gar daran beteiligt. AFD, NPD, Der III. Weg, Die Rechte. Parteien am rechten Rand werden mithilfe der Politik von CDU und SPD wieder salonfähig. Wer sich nicht integriert, der*die fliegt. Integration? Inklusion? Sagen wir besser: Wie machen wir sie mit den Instrumenten Herrschaft und Unterdrückung zu geißeln unserer Wirtschaft? „Du“ als minderbemittelter Migrant hast dich „uns“ unterzuordnen. Wenn du in „unser“ Land willst, musst du „unsere“ Sprache lernen und dich an „unseren“ Werten orientieren und gefälligst irgendwann einmal „unserer“ Wirtschaft zum Erfolg verhelfen. Nein? Abschiebung, Schießbefehl. Deutsches Volk, Tätervolk.

Europa 2016. Deutschland voran. Um die Festung Europa und den Reichtum der selbsternannten privilegierten Weißen im Westen zu schützen, wird die Zusammenarbeit mit Diktatoren á la Erdogan nicht im Mindesten gescheut. Stacheldraht, Zäune, Wasserwerfer, Tränengas, Staatsgewalt. Alles für ein abgeschottetes Europa der Nationen. Balkan, Griechenland, Mazedonien. Über Menschen wird wie über Atommüll gesprochen, der nur ordentlich verteilt werden muss, damit er nirgends zu viel Schaden anrichtet. Innereuropäischer Flucht wird von vornherein ein Riegel vorgeschoben , so wie  es bereits mit einem Großteil Osteuropas gemacht wurde, deren letzte Staaten (Kosovo, Montonegro, Albanien) nun auch noch zu vermeintlich sicheren Herkunftsländern erklärt werden sollen. Dort geben sich jedoch Antiziganismus und soziale Verendelung die Klinke in die Hand. Aber schließlich entlaste das „unsere“ Behörden und ein gewisses Maß an West-Ost-Ausbeutung muss ja schließlich auch gegeben sein, um den Mindestlohn in Niedriglohnsektoren zu umgehen. Menschen in Not werden zu Spielbällen europäischer Politik. Entmenschlichend, kalt und aus einer reinen Verwertungslogik heraus agierend. Wer war eigentlich nochmal für die Wahrung des Humanismus zuständig?

Die Welt 2016. Sie steht vor dem Abgrund. Krieg und Terror wohin das Auge reicht. Europa, USA, Russland. Großmachtstreben auf dem Rücken von Menschen, die vor den Folgen verfehlter Machtpolitik fliehen. Afghanistan, Irak, Syrien. Zerstörte Landstriche, Städte, auf die Bomben hageln und tote Menschen auf offener Straße. IS, Assad, Dschihadisten – und die Türkei ist auch dabei. Deutsche Waffen, deutsches Geld und ein rechter Populist, der nach Mexiko am liebsten eine Grenzmauer bauen würde, als möglicher Präsidentschaftskandidat in den Vereinigten Staaten. If nothing turns right, turn…äh, wie war das nochmal? Tote Menschen im Mittelmeer und Grenzkontrollen mit bis unters Messer bewaffneten Soldaten stellen nur die Spitze eines Eisberges dar, dessen Unterbau eine Vorgeschichte hat, die mindestens bis ins Jahre 1791, dem Jahr in dem Frankreich als erster europäisch legitimierter Nationalstaat auf den Plan trat, reicht. Nun wollen sie sich endgültig einigeln in ihre aus Blut erbauten, goldenen Paläste. Widerstand zwecklos?

Staat und Nation haben endgültig versagt. Und nie steuerten wir mit diesen Konstrukten der sogenannten Moderne so offensichtlich in Richtung Abgrund. Deutschland. Nationalismus. Polen. Nationalismus. Rassismus. Ungarn. Nationalismus. Rassismus. Frankreich. Nationalismus. Rassismus. Großbritannien. Nationalismus. Rassismus. Europa: Grenzen dicht. Geflüchtete (Menschen!) werden nicht selten bespuckt, getreten, geschlagen, beschimpft und von allen hiesigen Staaten erniedrigt und zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Es reicht. Wir brauchen nicht nach Alternativen suchen, wir müssen Sie jetzt ausprobieren. Bis „das Volk“ isoliert ist, der Staat stirbt und die weiße Vorherrschaft des Westens dem Gestern angehört. Für das Leben, die Anarchie und den Kommunismus.

Fürs erste würde es aber sicher auch reichen, sich mal am menschlichen Riemen zu reißen.

2012-08-08_rassismus-toetet-cafe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.